Von Naturburschen, Regenwürmern und dem unnachahmlichen Lebensgefühl beim Vespafahren

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Würde man Thomas Hareter im Supermarkt an der Kasse treffen, wäre Winzer sicherlich nicht der erste Berufs-Tipp. Frisur und Ziegenbärtchen à la Fernsehkoch Ralph Zacherl, ein lässiges T-Shirt und ein Skorpion Tattoo auf dem Unterarm. Sobald er jedoch anfängt mit leuchtenden Augen von Wein und Rebkulturen zu erzählen, ist klar: dieser Mann ist Winzer mit Leib und Seele.

Im Eingang des Hofes von Thomas und seiner Frau Claudia Hareter steht eine alte cremefarbene Vespa, Baujahr 1969. Ein Schmuckstück, ein Klassiker, ein Lebensgefühl auf zwei Rädern. Wie wir später erfahren, ist nicht mehr jedes Bauteil original. Die Technik zum Beispiel, wie der Motor, entspricht modernem Standard. Aber es sind genau die Teile original, die eine Vespa zur Vespa und damit zu etwas Unverwechselbarem machen. Eigentlich ein schönes Bild für die Arbeitsweise von Thomas Hareter. Im Weinberg und im Keller arbeitet er mit genau so viel moderner Technik, dass die Basis für die hohen Qualitätsstandards seiner Wein geschaffen ist. Den Reben und dem Wein lässt er jedoch so viel individuellen Spielraum, dass daraus ein Original entstehen kann. Wichtige Voraussetzungen, um histaminfreie Weine von Spitzenqualität zu produzieren. Denn damit möglichst wenig oder gar nichts von dem unerwünschten Eiweißstoff im Wein entsteht, benötigt man hochwertigste Trauben und absolut saubere Kellertechnik. Wie sehr Thomas mit der Natur verbunden ist, wird uns deutlich, als er erzählt, wie er die Trauben für die histaminfreien Weine auswählt: er kostet von jedem Rebstock und erkennt daran, welche Trauben für diese Weine geeignet sind. Unglaublich, oder? Aber es scheint zu funktionieren, denn die Weine der Hareters, die bis auf die beiden Cuvees „Naturbursche“ und „Naturschönheit“ die Namen der Rebsorte tragen, werden in regelmäßigen Abständen ausgezeichnet.

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Eine besondere Beziehung hat Thomas zu Regenwürmern, denn jedes Etikett zieren stilisiert drei der Tierchen aus dem Stamm der Ringelwürmer. Thomas erklärt fasziniert, dass die nachtaktiven und äußerst fleißigen Bodenbewohner auf einem Hektar so viel nährstoffhaltigen „Mist“ produzieren wie zwei Kühe. Ein prominenter Platz auf den Weinetiketten ist also durchaus gerechtfertigt. Als Motiv für sein Tattoo hat er allerdings doch lieber sein Sternzeichen „Skorpion“ gewählt. Gute Wahl! Claudias Schlüsselbei ziert das hinduistische Mantra „Soham“, was so viel bedeutet wie „Er ist ich“ oder auch „Ich bin er“. Ein Mantra, das unter anderem die Atmung symbolisiert, denn eine Deutung besagt, dass jedes Lebewesen beim Einatmen den Laut „so“ und beim Ausatmen den Laut „ham“ von sich gibt. Passt irgendwie zur lebensbejahenden Philosophie der beiden: „Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand.“

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Uneingeschränkt bejahen können wir nach illustrer Kostprobe die Weine von Thomas Hareter. Unser Favorit: Chardonnay ohne. Dieser Weißwein wird spontan vergoren und einige Zeit auf der Maische liegen gelassen, bevor er unfiltriert abgefüllt wird. Lecker und ganz besonders! Wir haben bei Thomas und Claudia in Weiden am Neusiedler See viel über Biowein, Regenwürmer, Trauben, Sensorik und das Lebensgefühl beim Vespa fahren gelernt. Nur zwei Fragen sind offen geblieben: Wie heißt der Naturbursche mit richtigem Namen? Und ist die Naturschönheit bereits vergeben? Vielleicht können wir das beim nächsten Besuch klären.

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Zu den Weinen von Thomas Hareter

 

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